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Teil 4: Vom Unterstützungsverein auf Gegenseitigkeit zur stillen Wohltäterin Frankfurts

Der in seiner Zusammensetzung mehrfach veränderte Grundbesitz der Gemeinde überstand alle politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen der Folgezeit. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts diente die Gemeinde mit ihrem Stiftungsvermögen als zusätzliche soziale Absicherung ihrer Mitglieder, selbst wenn die meisten ihrer Angehörigen nicht zum Kreis der Bedürftigen zählten. Die Überschüsse der Stiftung wurden besonders nach 1945 zunehmend außerhalb des Kreises der Mitglieder zu wohltätigen Zwecken innerhalb Frankfurts verwendet, ohne persönliche Bindungen und Beschränkungen.

Als Stiftung ist die Niederländische Gemeinde heute nur einer unter vielen Akteuren auf dem Feld der freien Wohlfahrtspflege. Einzigartig dürfte aber ihre Rolle als Traditionsgemeinschaft sein. Dank der personellen Kontinuität des Kreises ihrer Mitglieder wurde die einstige Flüchtlingsgemeinde Ausdruck und Überrest der bürgerschaftlichen Überlieferung der Reichsstadt Frankfurt am Main. Damit ist die Niederländische Gemeinde eine der „Frankfurter Merkwürdigkeiten“ (Paul Majer 1960). Ähnliche Institutionen in anderen Städten sind teils eingegangen, teils haben sie, wie zum Beispiel die verwandte, ebenfalls 1585 gegründete Niederländische Armen-Casse in Hamburg, eine abweichende Prägung erhalten.