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Teil 3: Von der Kultusgemeinde zur Privatgesellschaft lutherischer Glaubensgenossen

Im Jahr 1788 wurde zum letzten Mal französischer Gottesdienst in der Weißfrauenkirche gefeiert. Nach dem Tod des letzten französischen Predigers wurde seine Stelle gemäß dem Gutachten des Lutherischen Predigerministeriums nicht wieder besetzt. Zu den jährlichen Generalversammlungen der „Niederländischen Gemeinde“ erschienen in diesem Jahrzehnt zwischen 80 und 106 Haushaltsvorstände; am Abendmahl in der Französischen Kirche aber nahmen zur gleichen Zeit kaum 20 Personen teil. Das allein war noch kein Zeichen entkirchlichter Frömmigkeit, denn die Mitglieder der Niederländischen Gemeinde besuchten inzwischen auch in anderen Frankfurter Kirchen den lutherischen Gottesdienst. Ursächlich für die vom Predigerministerium vorbereitete und vom Rat angenommene Entscheidung, die Stelle eines französisch-lutherischen Predigers nicht neu zu besetzen, war vielmehr zweierlei: der Gottesdienst in französischer Sprache war zum Anachronismus geworden, da kaum ein Nachkomme der Flüchtlinge mehr gefunden werden konnte, der nicht der deutschen Sprache mächtig gewesen wäre. Zweitens hatte das orthodoxe Luthertum im Zeichen der Aufklärung eine „wesentliche Erweichung“ (Dechent, Frankfurter Kirchengeschichte, 1921, Bd. 2, S. 235) erfahren, so daß dem Bedürfnis nach einem französischen Gottesdienst anscheinend auch durch die zur gleichen Zeit innerhalb der Mauern Frankfurts erlaubte französisch-reformierte Predigt hinreichend entsprochen wurde.

Waisenhaus im Hirschgraben
Während die Niederländer zukünftig nur noch einmal im Jahr zur Predigt zusammenkamen, um dem traditionellen Gottesdienst vor der Generalversammlung des Almosenkastens beizuwohnen, erwuchs ihnen durch die Stiftung eines Gemeindemitglieds ein neues Aufgabenfeld. In dem Testament der Anna Maria Andreae, geb. Burgk, aus dem Jahre 1778 wurde ein Waisenhaus im Hirschgraben gestiftet, um Kinder von „hier verburgerten honneten, aber verarmten Eltern Evangelisch-Lutherischer Religion [...] christlich und gottesfürchtig darin erziehen zu lassen.“ Die Niederländische Gemeinde wandelte sich durch dieses Vermächtnis wesentlich von der Trägerin eines Almosenkasten, der durch halbjährliche Spenden seiner Mitglieder unterhalten wurde, zu einer Vermögensstiftung.